Glossar

Kamerabefahrung

Die Kamerabefahrung ist das Befahren einer Rohrleitung mit einer Kanalkamera (Kamerawagen oder Schiebekamera), um deren Innenzustand ohne Grabarbeiten sichtbar zu machen.

Kamerabefahrung bezeichnet das gezielte Befahren einer Rohrleitung mit einer Kanalkamera, um deren Innenzustand lückenlos und ohne Grabarbeiten zu erfassen. Ein selbstfahrender Kamerawagen oder eine Schiebekamera wird durch den Kanal geführt, während das Bild live auf einen Monitor übertragen und parallel aufgezeichnet wird. So werden Risse, Muffenversatz, Wurzeleinwuchs, Ablagerungen, Korrosion oder eingedrückte Rohrabschnitte sichtbar, bevor irgendwo aufgegraben werden muss.

Welche Kameratechnik zum Einsatz kommt, richtet sich nach Nennweite und Zugänglichkeit der Leitung. Bei grösseren, begehbaren oder gut zugänglichen Kanälen fährt ein Kamerawagen auf Rädern selbstständig durch das Rohr; bei kleineren Hausanschlüssen, Fallleitungen oder engen Abzweigen kommt eine flexible Schiebekamera zum Einsatz, die von Hand vorgeschoben wird. Eine Schwenkkopf-Kamera mit 360-Grad-Blick erlaubt zusätzlich die genaue Kontrolle von Einläufen, Abzweigern und Muffen, die bei starrer Blickrichtung leicht übersehen würden.

Vor der eigentlichen Befahrung wird die Leitung in der Regel mit Hochdruck gereinigt, da Ablagerungen oder Fettreste die Sicht versperren und eine seriöse Beurteilung unmöglich machen. Die Kamera wird anschliessend von einem Revisionsschacht zum nächsten geführt, wobei die Position laufend über einen Metrierzähler dokumentiert wird. Auffällige Stellen werden mit Standbild, Zeitstempel und Metrierangabe festgehalten, sodass sich Schäden später eindeutig lokalisieren und einem Sanierungsverfahren zuordnen lassen.

Die Kamerabefahrung ist damit die Grundlage für praktisch jede weitere Entscheidung an einer Leitung: Sie zeigt, ob eine punktuelle Kurzliner-Sanierung ausreicht, ob eine durchgehende Kanalsanierung nötig ist oder ob nur eine Reinigung das Problem behebt. Ebenso dient sie der Abnahme neu verlegter oder sanierter Leitungen, der Beweissicherung vor Bauarbeiten in der Nachbarschaft und der Ursachenklärung bei wiederkehrenden Verstopfungen, deren Auslöser von aussen nicht erkennbar ist.

Wie aufwendig eine Kamerabefahrung ausfällt, hängt von Leitungslänge, Durchmesser, Zugänglichkeit der Schächte und davon ab, ob eine Vorreinigung nötig ist. Konkrete Kosten lassen sich deshalb erst nach Betrachtung der jeweiligen Situation vor Ort seriös nennen – die kostenlose Ersteinschätzung über die 24h-Gratis-Hotline von ABM Facility Kanalservice schafft hier rasch Klarheit, ob und in welchem Umfang eine Befahrung sinnvoll ist.

Beispiel aus der Praxis

Wiederkehrende Verstopfung in einem Einfamilienhaus in Männedorf

In einem Einfamilienhaus tritt alle paar Monate an derselben Stelle Rückstau in der Küchenabflussleitung auf, obwohl regelmässig gereinigt wird. Eine Kamerabefahrung der Grundleitung ab dem Revisionsschacht zeigt bei rund neun Metern eine Muffe, in die feine Wurzeln eines nahen Baums eingewachsen sind und dort ständig neue Ablagerungen zurückhalten. Dank Standbild und exakter Metrierangabe aus der Befahrung lässt sich die schadhafte Stelle gezielt lokalisieren und mit einer punktuellen Kurzliner-Sanierung beheben, statt die gesamte Leitung freizulegen.

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